Du verarschst mich doch!

9 09 2015

Das war mein erster Gedanke als ich vor sechs Jahren einen Anruf bekam. Ich konnte es damals nicht fassen und auch heute ist es schwer.

Zeit heilt alle Wunden, sagt man. Zeit ist ein Arschloch, sage ich.

Papa

† 09.09.2009

Sechs Jahre sind für manch einen keine lange Zeit – für mich fühlt es sich wie eine kleine Ewigkeit an. Für einige von euch hat der 09.09. eine besondere Bedeutung. Vielleicht gibt es ja unter euch sogar jemanden der am 09.09.2009 geheiratet hat.
Für mich ist es einfach nur ein schwarzer Tag. Der Tag, an dem mein Paps gestorben ist.

Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denken muss. Ich würde ihm gern so viel sagen, mit ihm so viel unternehmen. Verdammt, ich bin noch jung, er war noch jung. Bis heute frage ich mich nach dem Warum. Warum so früh? Es wird darauf niemals eine Antwort geben.

Ich hab so viele Details und so viele Kleinigkeiten noch im Kopf und ich habe Angst es irgendwann zu vergessen. Nicht heute und nicht in naher Zukunft. Aber auch ich werde irgendwann alt. Ich möchte nicht daran denken, wenn die Erinnerungen zu verblassen beginnen. Das macht mir Angst. Vielleicht merke ich es ja nicht einmal, wenn es so weit ist, aber es wird ein weiterer Verlust.

Doch bis dahin werde ich ihn nie vergessen. Meinen alten Herrn. Danke für alles Papa. Du warst der Beste.

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Neunter neunter.

9 09 2014

Heute ist wieder 09. September. Für viele von euch einfach ein Tag wie jeder andere. Vielleicht habt ihr heute aber auch Geburtstag oder habt 2009 genutzt, um am 09.09.09 zu heiraten.

Für mich wird der 09.09 nie wieder das sein, was er mal war. Es ist ein verdammter Scheißtag. Fünf Jahre ist es nun her und trotzdem weiß ich noch was ich wann und zu welchem Augenblick getan habe. Ich habe meinen Paps verloren. Ich habe an diesem Tag geweint. Geweint wie nie zu vor. Es ist auch ein Teil von mir abgestorben. Trotzdem war ich so stark, wie ich konnte – so sah es zumindest aus. Doch mein Kopf hat einfach abgeschaltet und mein Körper nur noch wie eine Maschine gearbeitet. Ich saß tief im Inneren verborgen und hab mich versteckt. Versteckt vor der Welt da draußen.

Auch wenn ich heute wieder lachen kann, es wird nie mehr so sein, wie es war. Es war viel zu früh.

Genießt den Tag heute und alle weiteren, als wäre es der Letzte. Es kann jederzeit so weit sein. Meldet euch doch mal bei Leuten, bei denen ihr euch viel zu selten meldet. Sagt einfach Hallo und erkundigt euch, wie es dem Anderen geht. Egal was dafür gesorgt hat, dass ihr wenig Kontakt habt – es gibt nichts, was sich nicht aus der Welt schaffen lässt.





Vier Jahre – die Zeit heilt keine Wunden.

9 09 2013

Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man. Ein Indianer kennt kein Schmerz, sagt man. Echte Männer weinen nicht, sagt man.
Verdammte Scheiße ist das Alles!

Ich sitze hier, schreibe vor Schmerz, mit Tränen in den Augen. Würde gerne Schreien, doch der Schmerz schnürt mir die Kehle zu.
Ich hatte keinen Unfall, ich habe mich nicht verletzt und trotzdem ist er da. Der Schmerz in meinem Inneren. In meiner Seele.

Vor vier Jahren ist mein Vater gestorben. Am 09.09.2009. Was für dein dummes Datum. Ich vermisse meinen alten Herrn jeden Tag. Wer die Situation nicht kennt, kann es nicht einschätzen, wie es ist, was ich fühle.
Ich möchte ihm so viel sagen, so viele Momente mit ihm teilen. Brauche ihn als Beistand, einfach das Wissen: „Der Papa ist da“. Ich werde dieses Gefühl nie wieder genießen können. Ein Mensch, der mich vorbehaltlos so nimmt wie ich bin, der alles toll findet was ich mache. Selbst wenn ich Mist gebaut habe, gab es zwar nen Anschiss aber er stand immer hinter mir. Wir haben so manchen Quatsch gemacht, teilweise nach dem Motto: „War scheiße, wissen wir selbst – aber es hat Spaß gemacht“.

Ich kann es nicht in Worte fassen, was mir alles fehlt, was ich alles misse. Ja, wir hatten auch Meinungsverschiedenheiten doch heute kann ich nur sagen, das war dumm. Wir haben so kostbare Zeit verschwendet. Egal wer Recht und wer Unrecht hatte, es hat uns Zeit gekostet. Zeit kann man nicht kaufen, nicht ersetzen, nicht zurück drehen. Viel zu leichtfertig habe ich Chancen verstreichen lassen.
Nein, wir sind nicht im Streit auseinander gegangen. Zum Glück. Wir haben keine 24 Stunden zuvor das letzte Mal telefoniert. Doch verdammt, es zerreißt mir das Herz nicht mehr die Möglichkeit zu haben, Zeit mit meinem Paps zu verbringen.

Hier mein Job, du warst immer so verdammt Stolz auf mein bestandenes Studium. Du wolltest immer das Beste für mich und hast dich über jede berufliche Verbesserung gefreut. Hier meine Hobbies. Ich habe mir wieder ein neues fern gesteuertes Modell gebaut. Wollen wir es zusammen fahren, schwimmen, fliegen lassen? Schau dir mal den Lego-Unimog an. Weißt du noch, wie wir Samstag Morgens im Schlafanzug angefangen haben eine Stadt aus Lego zu bauen, bis wir dann plötzlich zum Abendessen gerufen wurden? Wo wir beim Essen sind, probier doch mal mein neustes Rezept. Ich hoffe es schmeckt dir. Hast du den neuen Audi gesehen? Wollen wir mal zum Händler und ne Probefahrt machen? Klar, leisten können wir uns das Auto nicht aber hey, wir genießen einfach den Moment der Fahrt.

Ich möchte den Schmerz vergessen, ihn betäuben, nie wieder so fühlen. Doch ich werde den Schmerz nicht los. Er ist in mir. Selbst wenn es mir in ein paar Tagen besser geht, der Schmerz bleibt da und lauert nur. Lauert auf einen schwachen Moment, in dem er wieder angreifen kann.
Ich weiß Papa, vor dir muss ich mich nicht schämen, weil ich hier sitze und Rotz und Wasser heule. Du wirst nicht wieder kommen, doch du bist hoffentlich irgendwo, wo wir uns wieder sehen. Nicht heute, nicht nächste Woche. Aber irgendwann.

Papa, du fehlst mir!

Wenn ihr da draußen diesen Beitrag lest, meldet euch doch einfach mal bei eurem alten Herrn. Sagt einfach mal wieder Hallo und fragt wie es ihm geht. So etwas machen wir viel zu selten. Nutzt eure Chance.





Vatertag. Zeit zum Danke sagen.

13 05 2010
Papa

Ruhe in Frieden! † 09.09.2009

Heute ist Christi Himmelfahrt, der 40. Tag nach Ostern. Gleichzeitig wird Vatertag gefeiert, für die feierwütigen Männer die noch keine Väter sind auch Männertag genannt.

Doch ich möchte heute nicht mit dem Bollerwagen durch die Lande ziehen und mir Literweise den Alkohol in die Birne knallen. Ich möchte den Vatertag dazu nutzen, um jemandem zu danken.
Denn heute ist auch der 246. Tag ohne meinen Vater.

Papa, ich weiß, irgendwo sitzt du jetzt und kannst diese Zeilen hier lesen. Ich möchte dir danken. Danken für all die Jahre die du zu deinen zwei Söhnen gestanden hast.
Was haben wir nicht alles für einen Mist gebaut. Du hast aber immer ein Lächeln auf den Lippen gehabt, uns kurz ermahnt und uns doch geholfen.
Egal ob man einen Fahrdienst, einen Handwerker, einen Kreditgeber oder sonst jemand brauchte. Bei Papa war alles möglich.
Klar, auch wir hatten unsere Meinungsverschiedenheiten – doch wer hat sie nicht?
Du hast mich immer Ermutigt meinen Weg zu gehen. Selbst in Momenten an denen ich an mir selbst gezweifelt habe – du warst da und hast mir den Mut gegeben weiter zu machen. Ich habe dir so verdammt viel zu verdanken doch kann ich dir nichts mehr zurück geben.

Du hast immer gehofft, dass deine zwei Jungs später für dich da sind, wenn du sie brauchst und du nicht in ein Heim abgeschoben wirst. Dieses Versprechen haben wir dir gegeben und wir hätten es eingehalten.
Egal was andere über dich sagten, du warst ein feiner Kerl. Ein Laster hat jeder und es gibt wesentlich schlimmeres als Nikotin, Koffein und Frauen (in der Reihenfolge).

Was wir nicht alles erlebt haben. Ich kann mich noch daran erinnern, als wäre es gestern. Für über 20 Jahren, als die Ladensöffnungszeiten noch nicht bis 20 Uhr oder länger waren, ging es samstags zum Bauhaus zum „schrotteln“. In Geek-Kreisen auch bekannt als „Dumpster diving“. Wir sind nirgends eingebrochen oder haben Schlösser geknackt. Einfach zu den Containern gefahren und geschaut was man brauchbares findet. Meistens Holzreste die beim Zuschnitt übrig geblieben sind oder ein paar Metallstangen oder ähnliches.
Einfach alles was wir gemeinsam im Keller verbauen konnten. Ich habe eine kleine Kiste geschenkt bekommen – gebaut aus diesen Resten. Die Kiste hat eine Sitzfläche auf der ein Polster liegt und eine kleine Rückenlehne. Diese Sitzfläche kann man hoch klappen und darunter ist genug Stauraum für alle Schätze die man in jungen Jahren horten will.
Diese Kiste existiert heute noch – und ich halte sie in Ehren!

Jahre später, die Eltern hatten sich getrennt, sind wir zu dritt nach Seiffen gefahren. Ein Holzschnitzerdörfchen im Erzgebirge. Den meisten Spaß hatten wir nicht in den verschiedenen Holzwerkstätten sondern auf der nahegelegenen Sommerrodelbahn. Die erste Fahrt war noch ziemlich gemütlich. Schließlich haben wir uns an all die „Vorsicht Kurve“ und „Bitte bremsen“ Schilder gehalten. Beim zweiten Durchgang wollten wir einmal testen wie schnell es denn gehen kann wenn man sich nicht daran hält. Wir sind gnadenlos aus der Bahn geflogen und im hohen Bogen auf der Wiese gelandet. Doch wir hatten unseren Spaß daran!

Als ich 2007 meinen ferngesteuerten Verbrennerbuggy zu Weihnachten bekommen habe, mussten wir ihn natürlich gleich ausprobieren. Am ersten Weihnachtsfeiertag, auf einem leeren Supermarktparkplatz, musste die Errungenschaft getestet werden. Dieses Funkeln in den Augen meines alten Herrn. Er hat sich diebisch gefreut, als er den kleinen Wagen mit voller Geschwindigkeit um die Kurven gejagt hat und gleichzeitig den Duft des verbrannten Treibstoffs in der Nase hatte.

Wir wussten, dass du Probleme mit deinem Herzen hast. Doch keiner, nicht mal du, wusste wie es genau um dich steht. Knappe 12 Stunden bevor du von uns gegangen bist haben wir noch telefoniert. Du hast mir erzählt was du an diesem Tag getan hast. Ich habe mich gefreut dass es dir gut geht. Du hast dich mit Freunden zum Essen verabredet. Doch diese Einladung konntest du nicht mehr antreten.

Du bist an einer Ruptur eines Aortenaneurysmas gestorben. Ich hatte keine Ahnung was das sein sollte. Wie du komme ich nicht mit den Ausdrücken der Mediziner zurecht. Es ist eine gerissene Erweiterung der Hauptschlagader – nahezu immer mit tödlichem Ausgang.

Du warst viel zu jung zum Sterben. Du hattest so viel vor gehabt, so viel in den letzten Jahren erreicht. Wir konnten dir nicht mehr helfen. Doch weiß ich, dass es dir, da wo du jetzt auch immer bist, gut gehen wird. Nie werden wir dich vergessen, nie vergessen was du für uns getan hast. Du bist tief in unseren Herzen.

Danke Papa!