Gastrosexuell

23 06 2012

Der @dbaezol hat mich auf einen Artikel in der Welt hingewiesen. In diesem wird über Männer am Herd berichtet.
Männer am Herd, welch holdes Frauenzimmer wünscht sich das nicht? Dazu noch eine Eisenkugel am Fuß und eine Kette am Herd. Doch ich schweife ab.

Bin ich gastrosexuell?

Nein! Im Welt-Artikel wird über Männer berichtet, die ihre Küche in ein Hightech-Labor verwandelt haben. Denen beim Anblick ihrer Karkassenpresse einer abgeht. Ganz ehrlich? Weder besitze ich eine Karkassenpresse, noch habe ich die geringste Ahnung was das überhaupt sein soll.

Ich koche gern und viel. Kochen ist für mich Erholung. Entspannung vom Alltag. Hier kann ich ohne Zwänge werkeln, Kreationen erschaffen und belohne mich am Ende auch noch selbst. Seien wir mal ehrlich, Kochen wäre nur halb so interessant, wenn man danach nicht die leckersten Gerichte auch selbst verputzen darf.

Ok, meine Figur zeigt definitiv, dass ich gerne mal schlemme – doch dazu steh ich einfach.
Für mich sind die wichtigsten Werkzeug welche man zum Kochen haben sollte Kreativität und Leidenschaft. Meine Küche ist kein Tempel der Hochtechnologie, kein Sammelplatz für außergewöhnliche Werkzeuge.
Klar, so Sachen wie Molekularküche sehen spektakulär aus und können auch sicher mal Spaß machen – aber auf Dauer ist das nichts für mich.

Ich mag es lieber rustikal und bodenständig, gewürzt mit ein wenig Experimentierfreude.
Wenn es um meine Kochutensilien geht, schwöre ich auf die einfachen Dinge. Ich brauche kein Teflon, die angebliche Antihaftbeschichtung aus dem All (Irrglaube!) – bei mir sorgt natürliche Patina und Email dafür, dass es flutscht und nichts anbrennt.
Mein Lieblingstopf ist ein großer Emailtopf mit ziemlich altbackenem Muster. Hab ich mir so gewünscht. Mehrmals wurde ich gefragt, ob ich nicht lieber was anderes haben will – gibt doch viel schönere Töpfe. Dabei ist mir das Muster so was von egal. Mir kam es auf die Beschichtung an. In keinem anderen Topf lässt sich ein Chilli con Carne, Gulasch oder ein Rissotto besser braten und kochen. Da kann jede andere Beschichtung einpacken. Getoppt würden einfache Emailtöpfe nur doch Töpfe von Le Creuset – doch die kann man nicht bezahlen.

Auch bei Pfannen ist mir Teflon ein Dorn im Auge. Mal in der Pfanne gekratzt oder sie zu hoch erhitzt und die Pfanne macht es nicht mehr lang. Die Beschichtung löst sich auf, blättert ab und gelangt ins Essen – ob man das wirklich will?

Ich bin stolzer Besitzer zweier geschmiedeter Stahlpfannen – handgeschmiedet sind sie nicht – doch die industrielle Massenware reicht voll und ganz aus. Wer solch eine Pfanne in der Hand hatte, weiß, diese Pfannen sind für die Ewigkeit gemacht. Massiv und schwer liegt die Pfanne satt auf dem Herd, man kann ihn ihr auch mal mit Besteck hantieren, da ist die Pfanne nicht gerade zimperlich. Doch auch man selbst darf nicht zimperlich sein.
So eine Stahlpfanne kommt nicht gebrauchsfertig zu einem nach Hause. Der Stahl kann rosten – damit dies auf dem Transport nicht geschieht, wurde ein Konservierungsmittel aufgebracht. Dies muss vor der ersten Benutzung absolut gründlich abgewaschen werden.
Diese schon fast rituelle Waschung genießt die Pfanne so sehr, dass sie ihre Zigarette danach braucht – zumindest fast. Die Pfanne will rauchen!
Vor der ersten richtigen Benutzung muss die Pfanne mit Öl, Salz und Kartoffelscheiben eingebrannt werden. Das ganze so hoch wie möglich erhitzen und es solange braten lassen, bis die Kartoffeln schwarz sind und das Öl raucht. Das ganze nun noch einmal mit einer zweiten Ladung Kartoffeln wiederholen. Mein Tipp für alle bei denen die Nachbarn das Küchenfenster sehen können: Brennt die Pfanne Nachts ein. Die Dunst- und Rauchschwaden die aus eurem Küchenfenster quellen werden, veranlassen schon mal einen Anruf bei der Feuerwehr. Solltet ihr nicht von einem Löschzug besucht werden wollen, beherzigt also meinen Ratschlag.
Nach dem Einbrennen der Pfanne hat sie ihre Farbe verändert, die Unterseite zeigt leichte Anlassfarben, innen hat sich eine mehr oder minder große schwarze Schicht gebildet.
Wer jetzt mit Topfschwamm und Spülmittel heran gehen will, ist ganz falsch. Die Pfanne wird nur mit heißem Wasser ausgespült, maximal noch mit grobem Meersalz kurz drüber gerieben. Danach die Pfanne komplett ab trocken und mit einigen Tropfen Öl innen und außen abreiben. Das beugt Rost vor. Gutes 10W40 sollte es nicht sein, nehmt ein neutrales Pflanzenöl.

Auch bei meinem Messern habe ich es lieber alt bewährt. Mein Wunsch wäre zwar ein Windmühlenmesser aus nicht rostfreiem Stahl doch die einfachen Messer die ich aktuell habe, reichen voll und ganz aus.
Denn egal wie billig oder teuer euer Messer war, das wichtigste ist doch die Schärfe und die Haltbarkeit.
Messer kann man abziehen, dies geht z.B. mit einem Wetzstahl.
Doch irgendwann hilft auch ein Wetzstahl nicht mehr, dann muss geschliffen werden.
Ich schleife meine Messer noch selbst. Dazu habe ich einen zweiseitigen Schleifstein, denn ich zu Beginn erst einmal für 15-20 Minuten wässere. Erst dann dürfen die Messer in den Genuss eines frischen Schliffs kommen. Immer wieder unter Zugabe von reichlich Wasser.
Selbst die billigsten Messer, mit denen man vorher nicht mal durch Butter kam, können im Anschluss eine Tomate filetieren.

Jetzt noch die Frage, wie ich zu meinen Kreationen komme – ich lasse einfach meiner Phantasie freien Lauf, hole mir aber doch gerne mal Anregungen und Ideen aus schon vorhandenen Rezepten. Sei es aus vorhandenen Kochbüchern, von Freunden und Bekannten oder aus dem Internet. Im Normalfall koche ich keines der Gerichte wirklich so wie es im Rezept steht nach. Die Rezepte dienen mir als kleine Vorlage und dann wird geändert, verfeinert, hinzugefügt oder weg gelassen.
Kochen wird ja in den letzten Jahren immer beliebter, sei es im Fernsehen durch unzählige Kochsendungen oder auch in den Printmedien. Inzwischen gibt es unzählige Zeitschriften, selbst ein „Playboy für den kochenden Mann“ wurde veröffentlicht – die Beef.
Liebe Männer da draußen, Frauen dürfen sich natürlich auch angesprochen fühlen, erobert den Herd. Macht ihn zu eurer Werkbank des Genusses. Zeigt mit welchem handwerklichen Geschick wir Gaumenfreuden zusammen zimmern. Ihr habt es selbst in der Hand. Ein Meister ist noch nie vom Himmel gefallen, doch mit ein klein wenig Übung gelingt euch alles. Auch ich habe mal klein angefangen.

Doch ein „Kochtraum“ bleibt unerfüllt: einmal mit Horst Lichter zusammen am Herd stehen.

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Dänen.

17 06 2012

Passend zum heutigen Spiel: 





Martini Champignons

3 06 2012

Auf dem WGT habe ich mich mit einigen Leuten über die verschiedensten Rezepte unterhalten – dort habe ich auch meine Martini Champignons mit Penne vorgestellt.

@tichala war ganz begeistert und ich dachte eigentlich, das Rezept ist hier schon zu finden. Da dem nicht so ist, folgt es nun.

Zutaten:

  • 500 g frische Champignons
  • 500 g Penne
  • 5 Schweine-Minutensteaks
  • 1 Zwiebel
  • 100 ml Sahne
  • 100 ml Martini Bianco
  • 1 Stück Butter (25-50 g)
  • Mehl
  • Pfeffer, Salz, Paprika

Zubereitung:

Würzt die Minutensteaks und ab damit in die Pfanne. Während die Minutensteaks brutzeln, kocht die Penne al dente.
Stellt die fertigen Minutensteaks  zur Seite und gebt die Zwiebel in kleinen Würfeln in die Pfanne. Wenn diese glasig gebraten sind, fügt die Champignons in Scheiben hinzu. Das Ganze muss etwas braten, bis die Champignons braun und die ausgetretene Flüssigkeit verdampft ist. Löscht mit ¾ des Martini ab, gießt die Sahne hinzu, würzt es mit Salz, Pfeffer und Paprika. Lasst es einige Minuten einkochen. Nun kommt der Rest des Martini hinzu.
Sollte die Konsistenz noch zu flüssig sein, bindet die Soße mit Mehl ab.

Die Penne sollten inzwischen fertig sein, gießt sie in ein Sieb und wascht schnell den Topf aus. In den Topf kommt nun das Stück Butter, die Penne, die Minutensteaks in Streifen und die Martini Champignons. Das ganze nochmal kurz umrühren, brutzeln lassen.

Fertig.

Schnell und einfach eine wirklich leckere Mahlzeit.

Natürlich kann man die Martini Champignons auch einzeln als Beilage zu anderen Leckereien wie Schnitzel, Braten, Kartoffeln etc. machen.