Leben. Jetzt!

19 04 2013

Es gibt Tage, da denkt man mehr nach als an anderen. Da beschäftigt einen alles und man bekommt den Kopf nicht frei. So ein Tag ist heute mal wieder. Ich kann die Gedanken nicht los werden, also versuche ich sie nieder zu schreiben.
Wer mich schon etwas länger kennt, weiß, dass mein Paps 2009 gestorben ist. Dies war mehr als nur einschneidend für mich, es hat mich aus der Bahn geworfen und es hat meine Sicht auf manche Dinge grundlegend geändert.

Es vergeht kein Tag, an dem mir mein alter Herr nicht fehlt oder ich an ihn denke. Seit 2009 sterben um mich herum immer mehr Menschen. Menschen die mir nah standen, Menschen meiner Familie, Menschen dir mir etwas bedeutet haben, Freunde, Bekannte. Sei es das Alter oder eine schwere Krankheit, wie Krebs, die am Ende den Tod ausgelöst hat. Es ist immer einfach nur Scheiße.
Auch heute. Es kam nicht unerwartet und es war für denjenigen eine Erlösung. Doch es bleibt Scheiße!
Es macht mich aber auch zu dem, der ich bin. Es beeinflusst mein Leben und handeln.

Ja, ich bin undiplomatischer geworden. Früher habe ich immer zu allem gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Heute sage ich Leuten ins Gesicht, was ich von ihnen halte. Das hat mir nicht unbedingt Freunde und Sympathiepunkte eingebracht – das Leben ist aber zu kurz um immer nur der Gute und Liebe zu sein.

Ja, ich achte nicht besonders auf meine Gesundheit, ich bin aber auch immer Gesund und nur alle Schaltjahr mal krank. Ja, mein Blutdruck ist nicht im Optimalbereich und einige sagen mir immer wieder, ich sei zu fett.
Na und?
Ich koche gern, ich esse genauso gern und es darf gern deftig sein. Aber wisst ihr was? Es ist mein Leben. Ich muss damit Leben und irgendwann sterben. Was bringt es mir, wenn ich auf dem Sterbebett mal sagen werde: „Hey, ich hab beste Blutwerte gehabt, schön den Verzicht geübt und immer eisern diszipliniert meinen Ernährungsplan eingehalten“? Es bringt mir rein gar nichts. Ich habe gelernt, wie schnell es vorbei sein kann. Von heute auf morgen. Ich will kein Leben des Verzichts, ich will mein Leben genießen. Ich weiß nicht, ob ich noch Tage, Monate, Jahre oder Jahrzehnte lebe – aber ich will ein Leben, dass mir persönlich zusagt.

Ja, ich bin ein Spielkind. Ich hab eine Carrera-Bahn, ich hab eine Dampfmaschine, ich habe fern gesteuerte Modelle zu Land, zu Luft und im Wasser, ich habe Lego, alte Spielkonsolen und ich habe Spaß an allem. Mich reizt die Technik dahinter und ein Stück weit erfülle ich mir auch Kindheitsträume, die unerreichbar oder unerfüllbar waren.

Wenn mich jemand müde belächelt, weil ich mich wie ein kleines Kind freue, während eines meiner Autos den Staub aufwirbelt, dann tut mir die Person einfach Leid. Ich habe meinen Spaß und lebe es aus. Mir ist egal ob jemand sagt, ich bin für so etwas zu alt. Oft genug, habe ich es erlebt, dass Leute auf mich zugekommen sind, gefragt haben ob sie auch mal fahren dürfen und es genossen haben. Kaum kam aber jemand weiteres hinzu, hat man sofort das Weite gesucht. Es ist ja peinlich und nicht erwachsen sich so seinen Spieltrieb hinzugeben. Bloß nicht zugeben, dass man sich mal für fünf Minuten aus der disziplinierten und geordneten Welt verabschiedet hat.

Mal ehrlich, wie oft habt ihr schon Dinge nicht getan, auf die ihr riesige Lust hattet, euch aber die mögliche Reaktion anderer darauf abgeschreckt und zurück gehalten hat? „Was die Leute wohl sagen… Was die Leute wohl denken???“

In Kindertagen ist man mit dem Fahrrad durch die Gegend gefahren, über Stock und Stein, kein Hügel war zu hoch, kein Schlammloch zu tief, kein Wald zu dunkel. Man ist nach Hause gekommen, in voller Fahrt von seinem Fahrrad abgesprungen, hat es einfach hin geschmissen anstelle den Ständer aus zuklappen und war einfach ausgelassen und zufrieden. Auch allen Warnungen der Erwachsenen zum Trotz ist das Fahrrad dabei nie kaputt gegangen.
Wieso darf man heute nicht einfach seinen Gefühlen, Wünschen und Verlangen freien Lauf lassen? Einfach mal unbeschwert sein und so sein, wie man will?

Ich lebe mein Leben und ich genieße es. Es gibt Tage, da sollte ich eher mal einen Gang zurück schalten. Da quetsche ich zu viel in die 24 Stunden, aus der Angst, etwas zu verpassen, etwas nicht erlebt zu haben.
Genauso gibt es aber auch Tage, an denen mache ich nichts. Rein gar nichts.
Doch ich kann, selbst wenn ich morgen früh nicht mehr aufwachen sollte, mit Fug und Recht sagen, ich habe gelebt.
Wir alle arbeiten uns den Buckel krumm um etwas zu erreichen, um die Karriereleiter zu erklimmen, um etwas zu sein. Hört auf etwas sein zu wollen. Hört auf, euch kaputt zu machen.

Fangt an zu leben.

Danke.


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5 responses

19 04 2013
Chris

„RC ist nix für Kinder!“
🙂

Rest: Jeps, scheiss auf die, und weitermachen mit Leben.
(Und spielen)

21 04 2013
Peter

Ich denke man muss einfach einen Kompromiss finden zwischen dem was wirklich „muss“ und dem wozu man lust hat😉

22 04 2013
22 04 2013
Yes, that NERO! (@nerotunes)

Ich sekundiere das! – Und P.S.: Würden wir Männer uns das Kind im Manne nicht erhalten würde es den Kindern in der Republik noch beschissener gehen.

27 04 2013
Anke

Ja.. Lebe Dein Leben… und denke dran… es gibt Menschen, die Dich genau soo lieben, wie Du bist !

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