Kalter Krieg 2.0

20 08 2008

Ich bin in einem Alter in dem ich nur noch das Ende des Kalten Krieges erlebt habe. Ich kann mich noch gut erinnern wie wir vor dem Fernsehen gesessen haben und die ersten Bilder der Grenzöffnung zwischen der BRD und der DDR gesehen haben.

Einige Zeit später hieß es, man könne nun in Ruhe und Frieden leben und muss sich keine Gedanken mehr machen, das die Supermächte USA und Russland die ganze Welt in Schutt und Asche legen. Nach 9/11 legte sich die Euphorie und man musste nun Angst vor den Terrorpäpsten haben. Diese Panikmache ist zwar auch in Deutschland angekommen, doch hier ist es, was terroristische Akte angeht, ziemlich ruhig.

Wird sich das bald ändern?

Wenn die politischen Auseinandersetzungen weiter zuspitzen und es immer wieder zu Eskalationen kommt müssen wir uns langsam echt Sorgen machen. Russland und Georgien gehen sich im Kaukasus-Konflikt an die Gurgel. Was auf den ersten Blick nach einem Konflikt zweier Parteien aussieht, ist in Wahrheit ein Konflikt der weiter reicht. Ein Konflikt globalen Ausmaßes.

Russland unterstützt die abtrünnige Republik Südossetien in jeder erdenklichen Form, sei es personell, finanziell oder militärisch. Somit hat Russland einen Puffer zu Georgien – wenn auch keinen sehr großen. War nicht auch schon die DDR ein Puffer gegen die Westmächte?

Georgien wiederum wird von den Vereinigten Staaten unterstützt. Die georgischen Truppen werden mit Militärtechnik unterstützt und es wird Georgien finanziell unter die Arme gegriffen, was die Ausbildung der georgischen Soldaten angeht. Beinahe hätte man also auf dem Gebiet von Georgien zwei ehemalige Feinde die sich gegenüberstehen. Die in den 90er Jahren des letzten Jahrtausends entstandene Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt.

Die NATO hat Russland aufgefordert sofort alle Truppen abzuziehen. Der NATO-Russland-Rat, der die Zusammenarbeit zwischen der NATO und Russland verbessern soll, wurde bis auf weiteres inaktiviert. Solange Russland Teile von Georgien besetzt hält, wird es keine weitere Zusammenarbeit geben. Dies verkündete der NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer.

Ein Abzug der russischen Truppen ist geplant, so verspricht es zumindest der russische Präsident Dmitri Medwedew bis zum 22. August. Doch auch nach dem 22. August werden 500 russische Soldaten auf georgischem Gebiet verbleiben. 500 Soldaten die in Südossetien als Friedenstruppe eingesetzt werden sollen.

Über kurz oder lang möchte die NATO, das Georgien Mitglied im Militärbündnis wird. Wäre Georgien jetzt schon Mitglied, müssten andere NATO-Staaten Truppen entsenden um Georgien bei der Verteidigung zu helfen. Somit würden sich die USA und Russland direkt gegenüber stehen.

Es muss aber nicht erst gewartet werden, bis Georgien NATO-Mitglied ist. Schon heute ist die USA dabei auf europäischem Boden aufzurüsten.

Tschechien und Polen haben ein Angebot der USA angenommen und erlauben somit dass auf ihrem Boden ein Teil des Raketenabwehrsystems gebaut wird. In Polen werden zehn Abfangraketen stationiert, diese gehören dem National Missile Defense Programm an. Die Vereinigten Staaten betonen immer wieder, dass sie hiermit nicht das Mächtegleichgewicht zwischen ihnen und Russland beeinflussen wollen sondern es sollen Angriffe auf die Vereinigten Staaten abgewehrt werden. Diese Angriffe können nach Angaben der Verantwortlichen z.B. aus dem Iran kommen.

Das russische Militär kündigte im Gegenzug die Entwicklung neuer Langstreckenraketen an. Diese sollen über drei lenkbare Sprengköpfe sowie mehrere Attrappen verfügen und die veralteten Interkontinentalraketen SS 18 und SS 20 N ablösen. Sollte diese Aussage wirklich eintreffen, so wäre das National Missile Defense System gegen die neue Art der Raketen nahezu machtlos. Es können ca. 20 Gefechtsköpfe gleichzeitig abgewehrt werden. Rechnet man bei den neuen russischen Raketen mit den drei Sprengköpfen und nur zwei Attrappen, so würden 5 russische Raketen ausreichen um das amerikanische System voll auszulasten.

Doch wenn die Vereinigten Staaten und Russland wieder in ein Wettrüsten verfallen, werden diesmal auch andere Staaten aufrüsten. China, Pakistan und Indien würden ihre jeweiligen Atomwaffenarsenale gehörig aufstocken. Zum Einen damit die drei Länder untereinander ein gewisses Abschreckungspotential wahren, zum Anderen um ein amerikanisches Raketenabwehrsystem im Falle eines Falles überwinden zu können.

Die Machtspiele werden wohl wieder an der Tagesordnung sein. Über kurz oder lang werden wir wohl wieder bei einem globalen Wettrüsten, Spionen, Agenten und Doppelagenten ankommen. Die kleinste Spannung kann einen großen Konflikt auslösen.

Doch es wird nicht nur auf der militärischen Seite mit Soldaten und Waffen aller Art gekämpft. Private Gruppen aber auch militärische Hacker werden in das Geschehen eingreifen. Während des Kaukasus-Konfliktes wurde die Homepage der südossetischen Regierung dermaßen angegriffen das sie nicht mehr erreichbar war. Russische Hacker legten Server der georgischen Behörden und Ministerien lahm oder veränderten diese. Der Internetauftritt des Außenministeriums von Georgien zeigte zeitweise ein Bild auf dem der Staatspräsident Saakaschwilli mit Adolf Hitler verglichen wurde. Doch auch Georgien blieb nicht untätig und sperrte den Zugriff auf alle Internetseiten mit der Toplevel-Domain .ru.

Die Kriege spielen sich nicht mehr nur auf Schlachtfeldern dieser Erde ab sondern auch digital. Die Sicherheit des Friedens ist gefährdet. Ich werde meinen Enkeln später davon erzählen können, wie der Eiserne Vorhang gefallen ist, der Kalte Krieg beigelegt wurde aber wahrscheinlich auch wie alles von vorne begann.

Hoffen wir trotz allem auf eine friedliche Zukunft und appellieren wir an die Vernunft und den Verstand der einzelnen Staaten.

Willkommen im 21. Jahrhundert!

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2 responses

20 08 2008
unruheherd

Ob die Reibereien jene Ausmaße, die wir aus Dokus und Geschichtsbüchern kennen, annehmen oder garübertreffen – das wird die Zeit zeigen. Realistisch scheint es mir durchaus, denn Ost und West haben bekanntlich immernoch ihre Finger dort im Spiel, wo es (zumindest lokal) eigentlich um etwas ganz anderes geht. Hallo, Afrika.
Es ist eine unbehagliche Spannung, mit der ich auf die kommenden Entwicklungen warte. Auch mit Blick auf die EU, denn in Belgien hängt der Haussegen auch mächtig schief.

Aber wenn es einen richtigen kalten Krieg 2.0 geben sollte, was wird dann aus dem Klimawandel?

21 08 2008
Jan

Tja falls es wirklich einen neuen Kalten Krieg geben sollte, ist wohl die Angst vor einem nuklearen Winter größer als vor einer Erderwärmung. Ich denke aber man sollte die derzeitigen Spannungen nicht überbewerten und zu einem Kalten Krieg hochstilisieren, denn ein wesentliches Merkmal des Kalten Krieges fehlt heute: Der Kampf zweier Ideologien, denn Russland ist zwar wieder weltpolitisch ambitioniert, aber trotzdem kein kommunistischer Staat mehr und wird es auch wohl in absehbarer Zeit nicht mehr werden.

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