Datenhandel.

19 08 2008

Es geistert durch die Medien, Nutzer werden verunsichert, es wird zweimal überlegt wem man seine Daten anvertraut.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar fordert hohe Strafen in Millionenhöhe für Verstöße gegen den Datenschutz.

Doch was wir momentan sehen, seien es die Fälle von der NKL und SKL oder aber auch von der Telekom, ist nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Unser aller Liebling, der Bundesminister des Inneren, Wolfgang Schäuble, ist unter anderem für Informationsschutz und -sicherheit zuständig. Wenn es darum geht den Bürger unter Generalverdacht zu stellen und ihn in allen Lebenslagen zu überwachen, ist man schnell dabei. Geht es allerdings um den Schutz des Bürgers müssen erst gravierende Dinge geschehen bis sich jemand bewegt. Wohl ein Fall des klassichen Beamtenmikados. Wer sich als erstes bewegt hat verloren.

Dabei ist Datenhandel keineswegs ein Problem der letzten Wochen oder Monaten. Ich kenne ein Fall in dem ein Mitarbeiter einer mittelständigen Softwarefirma von einer anderen Entwicklungsschmiede abgeworben wurde. Rein zufällig hat der Mitarbeiter beim Arbeitgeberwechsel allerdings einen Aktenordner voll mit Namen, Adressen, Telefon- und Faxnummern, Ansprechpartner und Mitarbeiteranzahl von Kunden seines alten Arbeitgebers in seiner Tasche vergessen. Dieser Aktenordner wanderte natürlich auch nur rein zufällig zu seinem neuen Chef. Dieser nahm sich einige Aushilfskräfte und ließ die Daten in das CRM-System der Firma einspeisen. Nun gab es wieder genug neue Adressdaten die mit „Mailings“ bombardiert werden konnten.

Dies ist bei weitem kein Einzelfall der Adressgenierung. So wurden auch immer wieder Adressen gekauft die dann mit unterdrückter Rufnummer angerufen wurden. Der Call-Center-Mitarbeiter gab vor eine neue Stelle zu suchen und er würde gerne seine Bewerbung vorbei schicken. Wer denn der Ansprechpartner in der gewünschten Abteilung ist. So lassen sich relativ leicht die Daten verifizieren und vervollständigen.

Bei diesem Fall wurde niemandem Geld vom Konto abgebucht, doch sieht man auch hier, dass es schon länger regen Missbrauch von Daten gibt.

Erst vorletzte Woche habe ich einen Anruf eines Call-Center-Mitarbeiters bekommen. Ob ich denn der Herr Chaosblog bin, ich hätte was gewonnnen. Da ich mir sicher war, diese Nummer nirgends angegeben zu haben, antwortete ich ihm, dass der gesuchte Herr mein Bruder ist, dieser aber aktuell nicht zu sprechen ist. Der Call-Center-Typ wurde ziemlich pampig. Wieso denn jemand an einem Gewinnspiel teilnimmt und dann nicht verfügbar ist, das kann doch nicht sein etc. Bei meiner Nachfrage wie er den heißt, für welche Firma er anruft, wurde aufgelegt. Eine Nummer wurde natürlich auch nicht übertragen. Über anonyme Personen kann man sich recht schwer beschweren. Zwei Tage später klingelte wieder das Telefon, diesmal war es eine Call-Center-Mitarbeiterin. Selbes Thema, selber Text. Diesmal gab ich mich als Herr Chaosblog zu erkennen und wartete bis die Dame ihre zwei A4-Seiten runter gerasselt hatte. Meine Nachfrage nach ihrem Namen wurde nicht beantwortet, ebenso wenig der Name der Firma für die sie anruft. Stattdessen versuchte sie immer wieder auf das gewonnene Gewinnspiel zurück zukommen. Ich wäre unter den 2000 Glücklichen die die Chance auf einen von 50 neuen Autos hätten. Ich würde auch eine Bonuskarte bekommen mit der ich nicht Punkte sondern bares Geld sammeln kann. Diese Karte würde ich für 3 Monate gratis bekommen, müsste aber eine Bindung für ein Jahr annehmen, monatlich würde der Spaß 4,99 Euro kosten. Die Tante auf der anderen Seite der Leitung wollte sich nicht wirklich kooperativ zeigen als ich nochmals nach ihrem Namen gefragt habe, „das tut doch absolut nichts zur Sache“!

Das Gespräch endete mit Androhung einer Anzeige meinerseits und einem beherzten Auflegen.Bisher ist Ruhe.

Auch hier ist es mir Schleierhaft wie die Nummer an ein Call-Center gelangen konnte.

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One response

20 08 2008
unruheherd

Als Sahnehäubchen können Betreiber und Auftraggeber fast unbehelligt weiter machen. Wird einem Call-Center rechtlich der Kopf abgeschnitten, so entschuldigt sich z.B. magenta T in einer kurzen Stellungnahme. Das Call-Center wird mit neuem Namen wiederbelebt, magenta T freut sich über seinen „neuen, seriöseren Partner“ und alles geht von vorne los.
Um es garstig zu sagen: Call-Center sind arbeitsplatzmäßig quasi die Autobahnen von heute.

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